Elmar Schossig (†)

Elmar Schossig, 1950 in Chemnitz geboren, wuchs in Ludwigsburg und Lörrach auf. Schon lange vor dem Abitur war es sein Wunsch, Architekt zu werden. Sein erstes Wohnhaus hatte er mit 11 Jahren im Kunstunterricht „geplant“. Das Studium an der TU Braunschweig und der RWTH Aachen mit Diplom bei Gottfried Böhm lieferte die handwerklichen Grundlagen. Wichtige Einflüsse kamen jedoch auch über das Bücherstudium und auf zahlreichen Reisen, u.a. Architekturreisen nach Holland, Italien, Frankreich, ins Tessin und nicht zuletzt in die USA. Ein Schüsselerlebnis war kurz vor Studienbeginn 1972 die Begegnung mit dem Werk von Richard Buckminster Fuller im Rahmen einer großen Ausstellung im Museum for Science and Industry in Chicago. Die Begegnung mit Fullers Ideen löste entscheidende Impulse in Richtung Ökologie, nachhaltige Architektur und Energieeffizienz aus. Das 1984 mit seiner Frau Dörte Gatermann gegründete eigene Büro in Köln brachte schnell Erfolge und interessante Aufträge. Die Erziehung der beiden Kinder, 1985 und 1989 geboren, teilten sich die Eltern und Büropartner gemeinsam. In seiner Arbeit entwickelte Elmar Schossig eine große Affinität für technische Aspekte. Mit der Entwicklung einer neuartigen integralen Alu-Glas-Fassade im Jahr 2000 (mit dem Lichtplaner Helmut Köster) begann eine intensive Auseinandersetzung mit Designfragen. So entstanden zahlreiche Entwürfe und Produkte im Bereich Möbel, Leuchten, Bodenbeläge, Trennwände und immer wieder neue Fassaden. Prägendes Merkmal ist dabei vielfach die Multifunktionalität. Die treibende Kraft bei allem ist eine große Neugier, die Suche nach dem Neuen. In einer Phase höchster Produktivität wurde der Architekt im Jahr 2005 von einer unheilbaren Krebserkrankung heimgesucht. Für den grenzenlosen Optimisten jedoch kein Grund zum Aufgeben. Weiterhin widmet sich Elmar Schossig seither dem Produktdesign und seit dem Jahr 2006 intensiv der Fotografie. Ende 2006 erschien sein erstes Fotobuch „Unterwegs aufgenommen – eine fotografische Novelle“. Eine erste Gruppenausstellung fand 2009 unter dem Titel „Raumbilder - Bildräume“ in München statt. Regelmäßig beteiligt er sich an Architekturwettbewerben und engagiert sich über Vorträge zu Architekturthemen.

Elmar Schossig starb am 15. Dezember 2009.

Statement Elmar Schossig

Für die Entwurfstätigkeit von Elmar Schossig ist neben ästhetischen und funktionalen Aspekten ein ökologischer Ansatz bedeutsam, der u.a. energetischen Belangen und Fragen der Nachhaltigkeit und Ressourcenoptimierung breiten Raum einräumt und in diesem Grenzgebiet zwischen Architektur und Technik zur Entwicklung von intelligenten und kostensparenden architektonischen Lösungen führt.

Elmar Schossig: "Architekt zu sein, hat für mich etwas Faszinierendes, vor allem deshalb, weil dieser Beruf so vielseitig ist. Bestandteil der Auseinandersetzung sind bei architektonischen Aufgaben Städtebau, Gebäudeplanung, Freiraumplanung, Innenarchitektur, Design, Ökologie, Soziologie, Psychologie, Verkehr und vieles mehr. Aus dieser Komplexität entspringt ein hohes Maß an Verantwortung. Architektur verlangt einen ganzheitlichen Ansatz, in ihrer Gesamtheit wie in ihren Teilbereichen. Die künstlerische, emotionale Komponente steht dabei gleichberechtigt neben der intellektuellen, rationalen Arbeit.

Isolierte Fragestellungen oder planerische Überlegungen setzen sich dagegen dem Risiko aus, auf begrenzter Basis zu falschen Schlüssen zu kommen – mit weitreichenden Folgen. Jede neue Aufgabe macht es notwendig, aus den verschiedenen Einflüssen die für die Lösung wesentlichen Bausteine zu entschlüsseln. Das "Wesen" der Aufgabe gilt es zu ergründen, nur dann wird es gelingen, mit unserem Handeln Dinge zu schaffen, die von bleibender Qualität sind. Bauwerke dienen dem Menschen.
Haben Raumproportionen, Materialien, Licht, Klima und andere Faktoren einen direkten Einfluß auf das Wohlbefinden, so gibt es andere Ziele wie eine ressourcenschonende Bauweise oder ein geringer Energieverbrauch, die diesem Ziel langfristig unterworfen sind. Das intelligente Bauen, von dem heute gesprochen wird, bezieht sich auf einen Entwurfansatz jenseits rein formaler und ästhetischer Überlegungen. Darin ist Architektur als ein lebendiger Organismus zu begreifen, der auf gesellschaftliche Veränderungen ebenso reagiert wie auf ökologische Bedingungen."

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