Gottfried Böhm

Vorwort zur Monographie

Wir erwarten von den Bauten in einer bestimmten Situation das gleiche, was wir von den Menschen erwarten:
einen bestimmten Charakter, der das Originale unverwechselbar kennzeichnet, zugleich aber auch das Einbinden in die Gemeinschaft.

Es ist sicher einfacher, den Charakter des Einzelnen, des Individuums, des Objekts zu definieren, als den der Gemeinschaft. Wir machen es uns aber, so glaube ich, zu einfach, wenn wir meinen, in heutiger Zeit auf den Charakter des Gemeinsamen keine Rücksicht nehmen zu müssen, da wir ja heute frei und gleich und international denken wollen. Selbst wenn ein Bau uns als Einzelobjekt sehr interessant erscheint, sollte es uns nicht gleichgültig sein, ob dieser Bau die Gemeinschaft sucht oder nicht.

Noch hat Köln eine andere Charakteristik als Berlin und diese eine andere als Los Angeles oder sonst irgendeine Stadt der Welt. Dies nicht nur in Menschen, sondern auch im Charakter des Bauens. Es wäre sehr schade, wenn uns diese Eigenarten verloren gingen. Dennoch wissen wir, wie schwer es ist, das eigentlich Charakteristische zu definieren und diese Definition auch tatsächlich als Grundlage des Bauens zu machen.

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